Mit großem Interesse und außergewöhnlich vielen Besucherinnen und Besuchern wurde am 18. Juni im Edelhof die virtuelle Rekonstruktion des ehemaligen Kirrweilerer Wasserschlosses, der Marienburg, vorgestellt. Das Projekt des Heimat- und Kulturvereins Kirrweiler in Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde ist ein besonderer Beitrag zum Jubiläumsjahr „825 Jahre Kirrweiler“ und macht das bedeutende, längst verschwundenes Bauwerk wieder sichtbar.
Die Veranstaltung wurde von Ortsbürgermeister Rolf Metzger eröffnet und von der zweiten Vorsitzenden des Heimat- und Kulturvereins, Eva Muffang, moderiert. Als Ehrengast nahm Staatssekretärin Vanessa Fischer vom Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur teil. In ihrem Grußwort würdigte sie das Projekt als beispielhafte Verbindung von kulturellem Erbe und digitaler Innovation. Geschichte werde hier nicht nur bewahrt, sondern mit moderner Technik neu erlebbar gemacht. Ebenfalls sprach Sven Koch, Vizepräsident der SGD Süd, über die Arbeit des dort angesiedelten KuLaDig-Kompetenzzentrums Rheinland-Pfalz.
Anschließend stellte Christine Dawson-Erasmy die Entstehungsgeschichte des Projekts vor. Ausgangspunkt war die erfolgreiche Teilnahme Kirrweilers am Landesprojekt KuLaDig Rheinland-Pfalz. Bereits 2021 wurde die Ortsgemeinde Modellkommune im Projekt „Digitale Erfassung und Präsentation von Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz“. Daraus entstanden ein Themenweg „Auf den Spuren der Fürstbischöfe in Kirrweiler“ sowie elf Objektbeiträge auf der Plattform, die kulturhistorische Orte digital dokumentiert. Die virtuelle Rekonstruktion des Wasserschlosses knüpft an diese Arbeit an.
Den Höhepunkt des Abends bildete die Präsentation durch Sascha Schmitz, Archäologe, Historiker und Geschäftsführer der Firma ARGO Edutainment Solutions. Auf Grundlage historischer Quellen, alter Pläne und neuer Forschungsergebnisse wurde die Marienburg virtuell rekonstruiert. Dabei gelang es dem Team von ARGO sogar, im Landesarchiv Speyer einen bislang unbekannten Grundriss des Schlosses zu entdecken. Ergänzend wurden vergleichbare Anlagen, darunter die Burg Gemen in Nordrhein-Westfalen, herangezogen, um ein möglichst fundiertes Bild des ehemaligen Wasserschlosses zu gewinnen.
Mit Hilfe der ARGO-App kann das verschwundene Wasserschloss ab sofort virtuell an seinem ursprünglichen Standort erlebt werden. Über zwei Informationstafeln am Kropsbach und in der Schlossstraße wird die Rekonstruktion gestartet. Auf dem Smartphone erscheint die Schlossanlage dort, wo sie einst stand. Besonders eindrucksvoll ist die Möglichkeit, zwischen zwei Bauphasen zu wechseln – von der mittelalterlichen Wasserburg bis zur spätbarocken Anlage des 18. Jahrhunderts mit Schaffnerei und Kellerei auf der Wirtschaftsinsel.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden die neuen Informationstafeln durch Ortsbürgermeister Rolf Metzger und die Erste Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Gaby Bauer, feierlich enthüllt. Der Heimat- und Kulturverein nutzte die Gelegenheit, um allen Fördergebern, Projektpartnern und ehrenamtlichen Unterstützern zu danken.
Text: Heimat- und Kulturverein Kirrweiler